Kirchentage auf dem Weg

Donnerstag, 25. Mai bis Sonntag, 28. Mai: „Kirchentag auf dem Weg“ in Leipzig

Leipzig ist eine von mehreren Städten, die vom 25. bis 28. Mai den "Kirchentag auf dem Weg" begehen wird. Die Stadt Leipzig selbst ist eng mit der Geschichte der reformierten Kirche verwoben - so wurde Luthers Abspaltung von der katholischen Kirche hier endgültig. Darum wird auch in der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" das 500-jährige Reformationsjubiläum mit zahlreichen besonderen Programmpunkten gefeiert.

 

 

Programm:

25.-28. Mai, jeweils 14.00 Uhr: Stadtrundgang „Auf den Spuren der Friedlichen Revolution“
Herbst ’89: Die Bilder von den Friedensgebeten in der Nikolaikirche, den Montagsdemonstrationen auf dem Innenstadtring und der Besetzung der Leipziger Stasi-Zentrale gingen um die Welt. Die Chronik des Herbstes ’89 begann in Leipzig aber nicht erst mit den Demonstrationen im September und Oktober. Der geführte Stadtrundgang erinnert an markanten Punkten der Leipziger Innenstadt an die historische Entwicklung des Jahres 1989. Zeitgeschichte wird am Ort des Geschehens lebendig und nachvollziehbar. Treffpunkt: Hauptportal Nikolaikirche

25.-28. Mai, jeweils 15.00 Uhr: öffentliche Führung „Von der Stasi-Repression zur Deutschen Einheit“
Führungen durch die Ausstellungen „Stasi-Macht und Banalität“ sowie „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“. Die Führungen werden von Zeitzeugen geleitet, die mit der Friedlichen Revolution ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen wollten. Durch ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse erinnern sie an die jüngere deutsche Vergangenheit in Leipzig.
Treffpunkt: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“

26. Mai, 10.00 - 20.00 Uhr: Verlängerte Öffnungszeiten zum Kirchentag
Seit 1990 bietet das Museum in der „Runden Ecke“ in den Originalräumen des Ministeriums für Staatssicherheit die Möglichkeit, Zeitgeschichte in authentischer Umgebung nachzuvollziehen. Zahlreiche, zum Teil einzigartige Ausstellungsstücke, darunter Überwachungstechnik, eine Maskierungswerkstatt und eine Kollermaschine zur Vernichtung von Akten, verdeutlichen, wie die SED ihren Überwachungsstaat aufbaute und die Menschen ihrer demokratischen Grundrechte beraubte. Dabei soll auch bewusst werden, wie bedeutsam die Errungenschaften der Friedlichen Revolution bis heute sind.

25., 27.-28. Mai, 10.00 – 18.00 Uhr, 26. Mai, 10.00 - 20.00 Uhr: Verlängerte Öffnungszeiten zum Kirchentag Sonderausstellung „Kirchentage in Leipzig 1954-1978 und 1989“
Aus Anlass des ersten gesamtdeutschen Kirchentages nach der Wiedervereinigung, der 1997 in Leipzig stattfand, erarbeitete das Bürgerkomitee Leipzig e.V. die Ausstellung „Kirchentage in Leipzig 1954-1978 und 1989“. Drei Kirchentage fanden in der Zeit der deutschen Teilung in Leipzig statt – und jeder von ihnen wurde für die DDR-Regierung zum Politikum. Die Leipziger Protestantentreffen sind ein Spiegel des Machtkampfes der SED gegen die Kirche gewesen. Dokumente aus kirchlichen und staatlichen Archiven, Fotos und persönliche Erinnerungen lassen Zeitgeschichte nacherleben. Zu sehen sind Zeugnisse, die die Ambivalenz kirchlichen Lebens in der DDR verdeutlichen. Die Ausstellung hinterfragt auch das Verhältnis der Kirche zu den DDR-Machthabern und beschreibt die Spannungen, die die drei protestantischen Laientreffen in Leipzig begleiten. Im Rahmen des Kirchentages auf dem Wege können Interessierte die Ausstellung in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ besichtigen.

 

 

25. Mai 2017, 20.00 Uhr: Podiumsdiskussion: “Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit – ein Grundrecht, das für alle gilt?“

Wer sich in der DDR zu einer von der SED nicht genehmigten Versammlung oder gar Demonstration zusammenfand, musste mit harten Repressionen bis hin zu mehrjährigen Haftstrafen rechnen. So waren Versammlungs- und De-monstrationsrecht 1989 eine zentrale Forderungen der Friedlichen Revolution. Im Grundgesetz, das seit der Wiedervereinigung in ganz Deutschland gilt, ist dieses Grundrecht für alle Bürger gleichermaßen. Aber nicht jeder sieht das so: Besonders im Zuge der Auseinandersetzungen um die Flüchtlingspolitik sowie den Umgang mit den Demonstrationen von LEGIDA und rechten Bewegungen. Viele Gegenproteste laufen auf Blockaden der Demonstrationen oder Kundgebungen und damit deren Verhinderung hinaus. Es werden immer wieder auch Stimmen laut, die ein Verbot dieser Demonstrationen und Veranstaltungen fordern. Die Veranstaltung will der Frage nachgehen, warum wir es als demokratische Gesellschaft aushalten müssen, dass auch Menschen, die eine gänzlich andere politische Meinung vertreten, ihre Grundrechte ebenfalls ausüben dürfen. Welche Grenzen für die Ausübung dieses Grundrechtes gibt es und ist der aktuelle Umgang mit Sitzblockaden seitens der Politik, dem Ordnungsamt und der Polizei angemessen? Was bedeutet die nunmehr fast zweijährige Praxis von LEGIDA-Demonstrationen und massiven Gegenprotesten von „Leipzig nimmt Platz“ und anderen Initiativen für den demokratischen Diskurs und die Akzeptanz des Rechtsstaates in der Gesellschaft? Darüber werden an diesem Abend Irina Rudolph-Kokot, Mitglied der SPD und des Aktionsnetzwerkes „Leipzig nimmt Platz“, Andreas Loepki, Polizeisprecher der Polizeidirektion Leipzig, Jürgen Vormeier, Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht, sowie Gunter Weißgerber, 1989 Mitbegründer der SDP in Leipzig und Sprecher auf den Leipziger Montagsdemonstrationen sowie langjähriger SPD-MdB, diskutieren.

Ort: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, ehemaliger Stasi-Kinosaal

 

26. Mai 2017, 20.00 Uhr: Podiumsdiskussion: „Freier Meinungsaustausch – Auch mit dem politischen Gegner?“

In der DDR dominierte die Staatspartei SED den gesamten öffentlichen Raum. Ein freier Meinungsaustausch war nicht möglich. Jegliche Formen von abweichenden Meinungen oder gar Opposition wurden versucht konsequent zu unterbinden. Wer dennoch in der DDR von seinem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch machte, war stets der Gefahr der Verfolgung durch das SED-Regime ausgesetzt. Mit der Friedlichen Revolution forderten die Bürger 1989 das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. So wurde ein friedlicher Dialog über den Zustand der Gesellschaft und die Zukunftsgestaltung möglich. In der aktuellen Auseinandersetzung finden sich jedoch wieder vermehrt Forderungen über bestimmte Themen und Fakten oder mit bestimmten Menschen und politischen Gruppierungen nicht zu sprechen. Die Veranstaltung will der Frage nachgehen, warum der freie Meinungsaustausch auch über gegensätzliche Positionen für eine demokratische Gesellschaft unerlässlich ist. Wie begegnen wir Menschen mit extremen politischen Meinungen und Einstellungen in der öffentlichen Debatte? Welche Bedeutung hat der politische Meinungsstreit in der offenen demokratischen Gesellschaft? Vor dem Hintergrund der Erfahrung des gewaltlosen freien Meinungsaustausches während der Friedlichen Revolution, aber auch der Leipziger Disputation, werden Antje Hermenau, Politikberaterin, Publizistin und ehemaliges Mitglied von Bündnis 90/Die GRÜNEN, Christian Wolff, Pfarrer i.R. und Mitinitiator von Willkommen in Leipzig – eine weltoffene Stadt der Vielfalt“, Frank Richter, Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden und langjähriger Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, und Jürgen Kasek, Rechtsanwalt und Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen, Möglichkeiten sowie eventuelle Grenzen des freien Meinungsaustausches diskutieren.

Ort: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, ehemaliger Stasi-Kinosaal

 

27. Mai 2017, 20.00 Uhr: Podiumsdiskussion: „Die Kirche in der DDR: Wegbereiter der Friedlichen Revolution?“

Vor allem im letzten Jahrzehnt des Bestehens der DDR wuchs der Unmut über fehlende demokratische Grundrechte, staatliche Gängelung, Bevormundung und fehlende Reisemöglichkeiten. Die Kirchen waren in der DDR der einzige, nicht von der SED kontrollierte Raum, in dem zumindest „innerkirchlich“ gewisse Freiheiten möglich waren. Unter dem Dach der Evangelischen Kirche hatten sich Umwelt- und Bürgerrechtsgruppen sowie eine unabhängige Friedensbewegung gebildet, die zunehmend auch mit öffentlichen Aktionen auf die gesellschaftlichen Missstände aufmerksam machten. Es gab in der Folge eine intensive Diskussion über „das politische Mandat der Kirche“. Von der Leipziger Nikolaikirche aus begannen im Herbst 1989 im Anschluss an die Friedensgebete die Montagsdemonstrationen, die das entscheidende Zeichen für den Beginn der Friedlichen Revolution gaben. Die Veranstaltung will der Frage nachgehen, ob die Akteure der Friedlichen Revolution das „Dach der Kirche“ für Ihre Anliegen nur nutzten, oder ob es im Kern die Grundsätze christlichen Glaubens und darauf basierend entsprechende ethische Grundsätze waren, die zum Protest gegen die kommunistische Diktatur in der DDR führten. In welchem Umfang gaben die Kirchen also dem Protest Raum und Strukturen und in welchem Maß war es der christliche Glauben, der die Friedliche Revolution vorantrieb? Und was bedeutet das für christliches Engagement in der heutigen demokratischen Gesellschaft? Diese und weitere Fragen werden Gisela Kallenbach, Leipziger Bürgerrechtlerin (Arbeitsgruppe Umweltschutz beim Jugendpfarramt Leipzig), Harald Bretschneider, ehemaliger Landesjugend-Pfarrer, Uwe Schwabe, Leipziger Bürgerrechtler (Initiativgruppe Leben), und Peter Wensierski, SPIEGEL-Journalist und Autor des Buches „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“, im Gespräch diskutieren.

Ort: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, ehemaliger Stasi-Kinosaal