Tag des offenen Denkmals 2018

Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke"

 

Leipzig gilt als die Stadt der Friedlichen Revolution. Zu den Schauplätzen des Umbruchs zählt auch die „Runde Ecke“, die einstige Bezirksverwaltung für Staatssicherheit. Hier, wo im Herbst ’89 die mächtigen Montagsdemonstrationen vorbeiführten, wurde am 4. Dezember 1989 eine wichtige Forderung der Friedlichen Revolution Wirklichkeit: Engagierte Bürger besetzten das Gebäude und legten die Arbeit der Stasi-Zentrale lahm. Noch in derselben Nacht bildete sich das Bürgerkomitee.

Seit 1990 zeigt der Verein in original erhaltenen Räumen in der „Runden Ecke“ die Ausstellung „STASI - Macht und Banalität“. Die Hinterlassenschaften des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die hier zu sehen sind, informieren über Geschichte, Struktur und Arbeitsweise der berüchtigten Geheimpolizei. Ein Rundgang durch die Ausstellung vergegenwärtigt dem Besucher, wie die SED ihren Überwachungsstaat aufbaute und die DDR-Bürger ihrer demokratischen Grundrechte beraubte. Dabei soll auch bewusst werden, wie bedeutsam die Errungenschaften der Friedlichen Revolution bis heute sind.

Führungen: 11.00 – 16.00 Uhr, regelmäßig: Sonderführungen „Stasi intern. Rundgang durch die ehemalige Zentrale des MfS - Vom Keller zum Boden und anderen Orten des (un)heimlichen Gebäudekomplexes.“

In der ehemaligen Bezirksverwaltung des MfS Leipzig im Altbau Dittrichring 24 sowie im Saalbau Goerdelerring 20 befindet sich die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“. Die Gedenkstätte will Geschichte durch den Erhalt authentischer Orte lebendig werden lassen. Im Museum und im ehemaligen Stasi-Kinosaal tragen originale Tapeten, Fußbodenbeläge und Einrichtungsgegenstände dazu bei, Atmosphäre und Wirkung der ehemaligen Räume der Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung zu erhalten und erleichtern so den Zugang zu den vermittelten Themen.

Zum Gesamtareal gehörte seit Mitte der 1980er Jahre auch der Neubau Große Fleischergasse 12, der heute durch die Stadt Leipzig als Verwaltungsgebäude genutzt wird. Auch in diesem Gebäude befinden sich noch originale Einrichtungen, wie beispielsweise die Bunkeranlage im 2. Kellergeschoss oder der Wartebereich der Stasi-eigenen Poliklinik in der 1. Etage.

11.00 Uhr, Stadtrundgang „Auf den Spuren der Friedlichen Revolution“

Während des ganzen Jahres 1989 hielten eine Vielzahl öffentlicher Aktionen von Bürgerrechtsgruppen, wie die Demonstration für Meinungs- und Pressefreiheit im Januar, der Pleißepilgerweg und das Straßenmusikfestival im Juni oder die entscheidende Massendemonstration am 9. Oktober, die SED und vor allem die Staatssicherheit in Atem. Der Stadtrundgang „Auf den Spuren der Friedlichen Revolution“ erinnert an markanten Punkten der Leipziger Innenstadt an die historische Entwicklung des Jahres 1989. Zeitgeschichte wird am Ort des Geschehens erzählt und damit für die Besucher der Stadt Leipzig lebendig und nachvollziehbar.

Der Stadtrundgang führt Sie unter anderem zum Nikolaikirchhof, wo schon im Frühjahr ’89 der Ruf nach Freiheit laut wurde, zum Augustusplatz, auf dem im Herbst Massenkundgebungen stattfanden, und am Leipziger Ring entlang, der Marschroute der Demonstrationen. Sie erleben während der Stadtführung auch, wie sich Leipzig seit 1989 entwickelt hat.

Treffpunkt: Hauptportal Nikolaikirche.

 

 

Ehemalige Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR (11.00 bis 16.00 Uhr)

 

In der Leipziger Südvorstadt befand sich ab 1960 die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR. In einem streng abgetrennten Teil der Strafvollzugseinrichtung Alfred-Kästner-Straße wurden alle im Land ausgesprochenen Todesurteile unter absoluter Geheimhaltung vollstreckt. Heutigen Erkenntnissen zufolge kamen hier 64 Menschen zu Tode. Nach Gründung der DDR waren Todesurteile zunächst dezentral in Hoheit der Länder und ab 1952 zentral in Dresden am Münchner Platz vollstreckt worden. Abgeschafft wurde die Todesstrafe erst 1987.

In Leipzig fanden die Hinrichtungen zunächst mittels Guillotine statt. Ab 1968 wurden sie per unerwartetem Nahschuss ins Hinterhaupt vollzogen. Anwesend war jeweils nur ein kleiner Kreis eingeweihter Personen. Die Leichname brachte man zur Einäscherung ins Krematorium auf dem Leipziger Südfriedhof, wo sie anonym als „Anatomieleichen“ verzeichnet und beigesetzt wurden. Todesurteile konnten in der DDR wegen Mordes, NS-Verbrechen sowie verschiedener Straftaten im Bereich Staatsverbrechen / Wirtschaftsverbrechen / Wirtschaftsspionage ausgesprochen werden; oft waren die Tatvorwürfe aber manipuliert. Die Frage nach der Schuld der Hingerichteten relativiert sich angesichts der Tatsache, dass sie Opfer von nicht rechtsstaatlichen Verfahren wurden, in denen das Urteil praktisch von Anfang an feststand. Die SED hatte entscheidenden Einfluss auf den Prozess und das Strafmaß. Selbst die Totenscheine wurden gefälscht und verschleierten die wahre Ursache und den Ort des Ablebens.

Führungen: ständig Führungen durch die historischen Räume, Besichtigung des Hinrichtungsraumes, in dem von 1960 bis 1981 sämtliche Todesurteile vollstreckt wurden, Erläuterungen zum Themenbereich „Todesstrafe in der DDR – Hinrichtungen in Leipzig“, Besichtigung der gleichnamigen Werksausstellung vor Ort.

 

 

Museum im Stasi-Bunker (10.00 bis 16.00 Uhr)

 

Im Naherholungsgebiet Lübschützer Teiche bei Machern liegt die einstige Ausweichführungsstelle (AFüSt) des Leiters der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig. Das Objekt war als eine Ferienanlage des VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Leipzig getarnt. Kern der Anlage ist der von 1968 bis 1971 gebaute Bunker. Im Spannungs- und Mobilmachungsfall hätte der Leipziger Stasi-Chef mit seinem Stab, insgesamt etwa 100 hauptamtliche Mitarbeiter sowie Verbindungsoffiziere des sowjetischen Geheimdienstes KGB, seinen Dienstsitz aus der Bezirksverwaltung in der „Runden Ecke“ nach Machern verlagert. Die Ausweichführungsstelle war ein heimlich geschaffener Komplex, mit dem die Führungsriege des MfS den Machtanspruch der SED auch im Fall eines Ausnahmezustands sichern wollte.

Der Bunker ist heute für Besucher geöffnet und gehört zur Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig. Zu besichtigen sind das 5,2 Hektar große, denkmalgeschützte Gesamtgelände mit allen erhaltenen Bauten und Anlagen sowie das 1.435 Quadratmeter umfassende Bunkerinnere. Im Rahmen von Führungen wird unter anderem vermittelt, wie die Versorgungssysteme funktionierten, wie DDR-weit Nachrichtenkontakte zustande gekommen wären und welche Überlebensstrategien sich die Staatssicherheit für einen Atomschlag entwickelt hatte. Eine Ausstellung gibt Einblick in die zentral geregelte Mobilmachungsplanung und die Einbindung der Ausweichführungsstelle in diese Vorbereitungen auf den „Tag X“. Sie dokumentiert die spezielle Aufgabe des MfS im Ernstfall – bis hin zur geplanten Einrichtung von Isolierungslagern für Oppositionelle.

Führungen: ständig Führungen durch die ehemalige Ausweichführungsstelle des Leiters der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig (AFüSt) bei Machern, heute das Museum im Stasi-Bunker bei Machern mit fast vollständiger Originaleinrichtung

Rahmenprogramm:

1) ständig Führungen durch die ehemalige Ausweichführungsstelle des Leiters der Stasi im Bezirk Leipzig,
2) Filmvorführungen „Die Direktive 1/67“: Die Dokumentation gibt Einblick in die Mobilmachungsplanung des MfS im Bezirk Leipzig.
3) Besichtigung der neuen Plakatausstellung „Wir wollen freie Menschen sein!" zum 65. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR.