Tag der Friedlichen Revolution

„Tag der Friedlichen Revolution“

Die „Runde Ecke“ war während der Montagsdemonstrationen 1989 der neuralgische Punkt, an dem immer die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation bestand. Heute erinnert die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit seinen Angeboten und Ausstellungen an die Repressionen in der kommunistischen SED-Diktatur sowie deren Überwindung durch die Friedliche Revolution. Rund um den morgigen 9. Oktober 2021 – dem 32. Jahrestag – bietet das Museum mehrere Stadtrundgänge, eine lange Ausstellungsnacht zeitgenössisches Filmmaterial am Originalschauplatz und verlängerte Öffnungszeiten an.

Mit dem 9. Oktober als städtischen Gedenktag erinnert Leipzig an eine der bedeutendsten Ereignisse der jüngsten Demokratiegeschichte in Deutschland. An jenem Tag entschied sich in Leipzig, ob die Revolution friedlich oder blutig enden würde. Weit mehr als 70 000 Menschen überwanden ihre Angst und stellten sich auf dem Leipziger Ring mit den Rufen „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“ der bewaffneten SED-Diktatur entgegen. Dieser Tag war der Wendepunkt auf dem Weg zu einer wirklich Friedlichen Revolution für Freiheit und Bürgerrechte und zu einem demokratischen Rechtsstaat, an deren Ende die Deutsche Einheit in einem vereinten Europa stand.

Die „Runde Ecke“, in der sich bis vor 32 Jahren die Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit der DDR befand, war schon während der Montagsdemonstrationen 1989 der neuralgische Punkt, an dem immer die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation bestand. Um dies zu verhindern und die friedlichen Absichten besonders zu verdeutlichen, wurden jede Woche tausende Kerzen vor dem Haus und auf den Treppenstufen abgestellt. Somit gilt sie als ein bedeutender Ort der Friedlichen Revolution, in deren Folge die deutsche und die europäische Vereinigung in Frieden und Freiheit möglich wurde.

Wie jedes Jahr erinnert die Stadt Leipzig an den Mut der weit über 70.000 Menschen, die vor über 30 Jahren für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen. Zum Kernprogramm der städtischen Veranstaltungen gehört auch in diesem Jahr um 17.00 Uhr das Friedensgebet in der Nikolaikirche, die nachfolgende Rede zur Demokratie sowie anschließend ab 19.00 Uhr das Lichtfest an diesmal drei verschiedenen Orten in der Leipziger Innenstadt.

Die Ereignisse der Friedlichen Revolution müssen bei der Erinnerung immer unmittelbar erlebbar und die Basis für eine Vermittlung in Gegenwart und Zukunft sein

Eine Vermittlung der Ereignisse und konkreten Abläufe der Friedlichen Revolution 1989/90 ist unabdingbar, gerade wenn in aktuellen gesellschaftlichen Debatten historische Erfahrungen mit heutigen Entwicklungen in Beziehung zueinander gesetzt werden. Museen und Gedenkstätten an authentischen Orten bieten mit ihren musealen Sammlungen von Zeitzeugnissen, den Ausstellungen und Veranstaltungen sowie vor allem mit den historisch erhaltenen Räumlichkeiten und Gebäuden einen geradezu idealen Rahmen, um sich der Ereignisse der Vergangenheit zu vergewissern und auf dieser Basis Schlussfolgerungen für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ befasst sich mit der Geschichte von 45 Jahren kommunistischer Diktatur in der SBZ und DDR sowie der Überwindung dieser Diktatur durch die Friedliche Revolution von 1989. Im Zentrum stehen dabei die drei am Ort virulenten Themen „Repression in der SED-Diktatur – Friedliche Revolution gegen die SED-Diktatur – Aufarbeitung der SED-Diktatur“, die auch in Zukunft mit einem Blick in Richtung Weiterentwicklung zu einem „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ als ein wichtiger Ort der Selbstvergewisserung der Bedeutung von Freiheit und Bürgerrechte in Gegenwart und Zukunft sein kann. Nur wenn wir vermitteln, wie die SED-Diktatur funktionierte und dass die Menschen 1989 den Mut fanden, sich genau gegen diese über 40-jährige Diktatur völlig friedlich zur Wehr zu setzen, können wir die damals wiedererrungene Freiheit, die Bürgerrechte und den demokratischen Rechtsstaat als etwas schätzen, für das wir uns täglich aufs Neue einsetzen müssen. Dies bedeutet aber auch, dass nicht alle Themen, die auf der Tagesordnung der aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen stehen, einen Bezug zur Friedlichen Revolution haben. Hier ist eine entsprechende Trennschärfe dringend notwendig, um das einmalige historische Ereignis von europäischer Dimension nicht weiter einer thematischen Beliebigkeit auszusetzen.

Lange Ausstellungsnacht und historische Original-Aufnahmen der Montagsdemonstrationen

Mit Beginn des Lichtfest auf dem Leipziger Nikolaikirchhof um 19.00 Uhr sind auch die original erhaltenen Räumlichkeiten der ehemaligen Bezirksverwaltung der Staatssicherheit geöffnet. In der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ informiert die Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ über die Arbeitsweise und die Strukturen der berüchtigten DDR-Geheimpolizei. Gezeigt werden einzigartige Objekte wie eine Abhöranlage, Geräte zur Postkontrolle oder eine Kollermaschine zur Vernichtung von Akten. Im ehemaligen Stasi-Kinosaal erzählt die Ausstellung „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ vom friedlichen Umbruch 1989/90. Zahlreiche teils bisher unbekannte Flugblätter, Fotos, Plakate, Filmaufnahmen und Dokumente sowie Objekte zeichnen die Aktionen des politischen Widerstandes in Leipzig sowie die Ereignisse seit dem Herbst 1988 nach, die zur Friedlichen Revolution und zur deutschen Wiedervereinigung in einem vereinten Europa führten. Auch wird ein Blick auf ost-mitteleuropäische Nachbarn und deren Engagement für Freiheit und Demokratie geworfen.

Die beiden Ausstellungen sind ist am Abend des 09.10.2020 von 19.00 bis 23.00 Uhr geöffnet.

Historische Original-Aufnahmen der entscheidenden Montagsdemonstrationen vom 7. und 9. Oktober 1989 werden an diesem Abend ab 18.00 Uhr an die Außenfläche hinter der Klinger-Treppe projiziert, unweit vom ehemaligen Stasi-Kinosaal, in dem die Ausstellung „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ zu sehen ist.

Lichtprojekt „HORCHTURM an der OHRENBURG“

Der Treppenturm des Neubaus der Leipziger Stasi- Zentrale mit seiner an Ohren erinnernden Verkleidung wird zwischen 18.00 und 24.00 Uhr erleuchtet. Diese Lichtinstallation erinnert mit dem von weitem sichtbaren blauen Licht im Treppenhaus des Stasi-Gebäudes an den friedlichen Sturz der SED-Diktatur, die Wiedererlangung von Freiheit und demokratischem Rechtsstaat sowie der Deutschen Einheit. Als optische Landmarke wird die Lichtfarbe weithin sichtbar sein und die Dimension des gesamten Stasikomplexes eindrucksvoll symbolisieren. Dieses Projekt wird an den historischen Daten der ab dem Herbst ’89 regelmäßig stattfindenden Monatsdemonstrationen wiederholt. Ab der kommenden Woche erstrahlt das Lichtprojekt dann wieder jeden Montagabend, in Anlehnung an die Montagsdemonstrationen, die bis zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 reichten.

Stadtrundgänge „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“

Herbst ’89: Die Bilder von den Friedensgebeten in der Nikolaikirche, den Montagsdemonstrationen auf dem Innenstadtring und der Besetzung der Leipziger Stasi-Zentrale gingen um die Welt. Die Chronik des Herbstes ’89 begann in Leipzig aber nicht erst mit den Demonstrationen im September und Oktober. Der geführte Stadtrundgang am 9. Oktober 2021 11.00 Uhr und 16.30 Uhr erinnert an markanten Punkten der Leipziger Innenstadt an die historische Entwicklung des Jahres 1989. Zeitgeschichte wird am Ort des Geschehens lebendig und nachvollziehbar. Treffpunkt ist das Hauptportal der Nikolaikirche.

Open-Air-Ausstellung „Orte der Friedlichen Revolution“

An 20 Originalschauplätzen in der Leipziger Innenstadt wird die Aufbruchsstimmung in der DDR 1989/90 erlebbar. Als chronologischer Rundgang angelegt, verdeutlicht die Open-Air-Ausstellung der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, wie aus den oppositionellen Aktionen Einzelner eine Massenbewegung entstand, die die SED-Diktatur in der DDR zum Einsturz brachte und den Weg zur Deutschen Einheit freimachte. Die Stelen mit deutsch-englischen Texten und Bildern sind ganztägig zugänglich und bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu den historischen Ereignissen, an die am 9. Oktober in Leipzig erinnert wird.

Open-Air-Ausstellung "Von der Burg zur Stasi-Zentrale“ Erinnerungen an den Matthäikirchhof

Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ präsentiert im Rahmen der Diskussion um die Zukunft Areals der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung auf dem früheren Matthäi-Kirchhof eine Open-Air-Ausstellung. Auf dem Hintergrund der mehr als 1000jährigen Stadtgeschichte Leipzigs, die hier mit der urbe libsz ihren Ursprung nahm, steht vor allem die Entwicklung seit Anfang des letzten Jahrhunderts im Mittelpunkt.

Vom Verwaltungsneubau der Leipziger Feuerversicherungsanstalt 1913, über die Zerstörung der Matthäi-Kirche und des gesamten angrenzenden Areals in der Bombennacht vom 4.Dezember 1943, der Nutzung der „Runden Ecke“ unter amerikanischer und sowjetischen Besatzung und schließlich dem Sitz der Bezirksverwaltung des MfS bis zu ihrer Besetzung während der Friedlichen Revolution am 4. Dezember 1989 und der nachfolgenden Auflösung wird die wechselvolle Geschichte dieses Areals bis heute erzählt werden. Die Ausstellung ist ganztägig frei zugänglich.

Buchvorvorstellung und Konzert mit Karl-Heinz Bomberg „Seelische Narben“

Am Sonntag den 10.10.2021 stellt Karl-Heinz Bomberg sein neues Buch „Seelische Narben“ 11.00 Uhr im ehemaligen Stasi-Kinosaal vor. Der Autor spürt in seinen Texten der Bedeutung von Freiheit und Verantwortung nach. Sowohl in seiner eigenen wie auch in den Biografien anderer politisch Verfolgter der DDR. Eingebettet in theoretische Grundlagen der psychoanalytischen Traumatherapie kommen viele Betroffene zu Wort, die nach den Spätfolgen und Bewältigungsformen politischer Traumatisierung nun einen Blick auf ihren Umgang mit Freiheit und Verantwortung gewähren – gerade auch in Zeiten einer Pandemie. Als Liedermacher umrahmt Karl-Heinz Bomberg die Lesung mit alten und neuen Liedern. „Wenn sich der Untergrund bewegt“ als Erinnerung an die große Kraft der Friedlichen Revolution von 1989 wird zu hören sein und viele andere Lieder.

Die Nutzung der Angebote der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ ist für Besucher nur unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften (3-G-Regel, Kontaktdatenerfassung, Mund-Nase-Bedeckung, etc.) möglich.

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