Objekt- und Fotodatenbank Online im Museum in der Runden Ecke



Inventar-Nr: 11823
Objekt: Tasse


Tasse "Held der Arbeit"

Bei der weißen Keramiktasse mit der schwarzen Aufschrift "HELD DER ARBEIT" handelt es sich um ein Produkt, das im Zuge der so genannten "Ostalgie-Welle" hergestellt wurde. In ironischer Weise wird auf den Ehrentitel "Held der Arbeit" Bezug genommen, mit dem man in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) Personen für ihre "bahnbrechenden Taten für den Aufbau und den Sieg des Sozialismus in der Volkswirtschaft" auszeichnete. Zum Titel gehörten ein Ehrenzeichen, eine Urkunde und eine Prämie. Der rot dargestellte Handschlag auf der Tasse steht hingegen in keiner direkten Verbindung zum Ehrentitel. Er symbolisiert die SED - die alles bestimmende Partei in der DDR - in deren Emblem er sich wieder findet. In der DDR sollte mit der Verleihung derartiger Auszeichnungen die Legitimität des Staates befördert werden. Vergleichbare Ehrentitel für Verdienste in der Volkswirtschaft und der Anerkennung hoher Arbeitsergebnisse waren beispielsweise die Auszeichnungen "Aktivist der sozialistischen Arbeit" und "Kollektiv der sozialistischen Arbeit", die Ehrentafel "Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit" oder als besonders hohe Auszeichnung der Orden "Banner der Arbeit". Indem die Arbeitskraft und Leistung des Einzelnen in speziellen Zeremonien geehrt wurden, verstärkte sich der Mythos vom "besseren Deutschland", für das es sich zu engagieren lohne. Zumeist in der Erinnerung vieler älterer Ostdeutscher spielen diese vermeintlichen oder tatsächlichen "sozialen oder sozialistischen Errungenschaften" bei der Erklärung der DDR eine wichtige Rolle. Vor allem das oft genannte "Recht auf Arbeit", ohne das es den "Helden der Arbeit" nicht gegeben hätte, leistet einer Verklärung der DDR als "Sozialparadies" Vorschub. Dieses "Recht auf Arbeit" sah nämlich auch eine "Pflicht zur Arbeit" vor und jene, die dem nicht entsprachen, mussten damit rechnen kriminalisiert zu werden. Eine freie Arbeitsplatzwahl und frei aushandelbare Löhne sah die flächendeckende Arbeitskräftelenkung hungegen nicht vor. Der Faktor Arbeit nahm demzufolge bei der Entmündigung und Einschränkung der individuellen Freiheit des DDR-Bürgers eine gewichtige Rolle ein. Die DDR-Sozialpolitik kann daher nicht ohne ihre politische Dimension betrachtet werden. Die heutige Verwendung des Ehrentitels "Held der Arbeit" auf Tassen und T-Shirts erhöht die Gefahr einer bewussten Verdrängung des hierarchisch und autoritär agierenden Wohlfahrtsstaates DDR und verstärkt die sozialromantisierende Sichtweise auf die Arbeitswelt der DDR (vgl. eine weitere "Ostalgie-Tasse").

Der Trend zur Verklärung der DDR hat seit den 1990er Jahren inzwischen fast alle Bereiche des Alltags erreicht: FDJ-Blusen und sonstige Kleidungsstücke sowie unzählige verschiedene Gegenstände mit DDR-Emblemen sind groß in Mode, das MfS-Emblem prangt auf Zollstöcken und Feuerzeugen, einstige Lieder der Pioniere und der Kampfgruppen werden neu aufgenommen und auf CD gebrannt. Es scheint fast so, als sei die DDR heute zum Kultobjekt geworden. Völlig unreflektiert werden in Geschäften und Online-Läden außer den "typischen" Ostprodukten - die im real existierenden Sozialismus zumeist eigentlich keiner kaufen wollte - auch DDR-Symbole angeboten, deren Bedeutung für die Machtausübung des SED-Staates standen (vgl. alle "Ostalgie-Produkte").


Sammlung: Varia
Datierung: 2000er Jahre
Hersteller: Mondos Arts Berlin
Maße: Tasse: Durchmesser: 8,1 cm; Höhe: 9,6 cm;
Griff: Breite: 3,8 cm; Länge: 7 cm
Material: Porzellan
Farbe: Tasse: weiß,
Aufdruck: schwarz, rot
Verwendung: Ostalgie, Essen und Trinken





Jede Nutzung der Fotos, auch für private Zwecke, darf nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Bürgerkomitees Leipzig e.V. bzw. des jeweiligen Fotografen erfolgen.
ausgedruckt am 17.12.2017