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Inventar-Nr: 30093
Objekt: Messgerät


Meteorologischer Satz Ch

Solch ein meteorologischer Satz Ch gehörte zur Ausstattung der ehemaligen Ausweichführungsstelle (AfüSt) des Leiters der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig (Bunker bei Machern). Er gehörte zur Ausrüstung der KC-Aufklärer (Kernstrahlungs- und chemische Aufklärer) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und diente der Ermittlung von Angaben über die Bodenwetterlage. Da klimatische Faktoren die Ausbreitung von Kampfstoffen beeinflussen konnten, sollten mit diesem Satz Feststellungen über den Einsatz und die Ausbreitung von Kampfstoffen gemacht werden. Aufgaben der KC-Aufklärer waren die Vorbereitung und Durchführung der Aufklärung über Kernstrahlungs- und chemische Waffen. Unspezifisches Wissen über biologische Kampfstoffe wurde ebenfalls abverlangt. Der meteorologische Satz setzt sich aus mehreren Messgeräten und Zubehörteilen zusammen, die in einem Transportkasten untergebracht sind. Neben den Bedienungsanleitungen, Schreibunterlagen und Bleistiften befinden sich in dem Kasten ein Schleuderthermometer, ein Schalenanemometer mit Stativ, ein Marschkompass, eine Taschenlampe, ein Schleuderpsychrometer mit Psychometertafel, ein Dosenbarometer und zwei Plastflaschen, die mit destilliertem Wasser gefüllt sein mussten. Sämtliche Messgeräte können einzeln benutzt werden und ergänzen sich in ihren Funktionen. Mit dem Schalenanemometer wird die Windrichtung bestimmt und die Windgeschwindigkeit gemessen. Für diese Messungen sind das Stativ und der Marschkompass notwendig. Mit dem Schleuderpsychrometer kann unter Zuhilfenahme der Psychrometertafel die Lufttemperatur und die relative Luftfeuchte ermittelt werden. Die Bodentemperatur und der Luftdruck sollten mit dem Bodenthermometer bzw. mit dem Dosenbarometer ermittelt werden.

Eine eigens für die Ausweichführungsstellen der Staatssicherheit erarbeitete Schleusenordnung reglementierte strengstens das Betreten und Verlassen des Bunkers für die hauptamtlichen Mitarbeiter in Ernstfällen. Das Schleusenpersonal war angewiesen Messungen in der Außenwelt vorzunehmen. Da der Bunker in drei verschiedenen Betriebsweisen unterhalten und belegt werden konnte, wäre bei tatsächlichen Kampfstoffangriffen der Bunker nicht verlassen worden. Zur Kontrolle der Luft in den Schleusen und der zu schleusenden Personen selbst, sollten ein Kampstoffanzeiger GSP 11, das Kernstrahlungsmess- und -warngerät RWA 72 O und das Kernstrahlungsmessgerät RDC III A eingesetzt werden.



Sammlung: Militärisches Gerät
Datierung: 1980er Jahre
Hersteller: VEB Messgeräte Berlin-Mitte
Maße: Kasten: Tiefe: 26,8 cm; Breite: 53 cm; Höhe: 14 cm
Material: Kasten: Holz,
Zubehör: Metall, Kunststoff, Glas,
Anleitung: Papier
Farbe: Kasten: oliv,
Gerät: silber, grau
Verwendung: Meteorologische Messungen, Aufbewahrung








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