Die Linie VIII
(Beobachtung, Ermittlung)

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Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war nach dem sog. Linienprinzip organisiert: Die meisten Hauptabteilungen (HA) im Ministerium setzten sich als Abteilungen in den einzelnen Bezirksverwaltungen (BVfS) fort. Gemeinsam bildeten sie eine „Linie“.

Die Linie VIII ist eine der zentralen Linien des MfS - sie war das für Beobachtung und Ermittlung zuständige Organ des MfS. Zu ihren Aufgaben gehörten die Observation von und Ermittlungen gegen Personen(gruppen) im Rahmen „Operativer Vorgänge“ (OV), was unter anderem auch (konspirative) Wohnungsdurchsuchungen beinhaltete. Auch Festnahmen fielen in ihren Aufgabenbereich. Besonderes Augenmerk lag bei der Überwachungstätigkeit auf dem grenzüberschreitenden Reiseverkehr, um z.B. Ausschleusungen zu verhindern. Die Leipziger Abt. VIII überprüfte z. B. alle Wehrpflichtigen, die für einen Einsatz an der Grenze vorgesehen waren („Aktion Grün“) und veranlasste Wohngebiets- und Betriebsermittlungen bei Anträgen auf Reisen ins westliche Ausland. Des Weiteren führte die Linie VIII Beobachtungen zur Bekämpfung der „politischen Untergrundtätigkeit“ (PUT) und des „Polittourismus“ durch und plante und realisierte Aktionen gegen Einzelpersonen, Personengruppen und Einrichtungen im „Operationsgebiet“ (Bundesrepublik und West-Berlin). Sie überwachte die westlichen Militärverbindungsmissionen und beschäftigte zu Observationszwecken auch die besonders konspirativ vorgehenden „U-Mitarbeiter“ (sog. „Unbekannte Mitarbeiter“). So leitete z. B. die Leipziger Abt. VIII z. B. die Ermittlergruppe I/U der Kriminalpolizei an, die aus 12 U-Mitarbeitern und 2 OibE bestand, und führte die „U-Basen“ (konspirative Objekte) der I/U-Gruppe. Zusätzlich unterhielt sie HIM-Ermittlergruppen (Hauptamtliche inoffizielle Mitarbeiter) und bediente sich der Operativen Personenmaskierung (OPM).

Die Hauptabteilung VIII in Berlin hatte 1.618 Mitarbeiter, die Abteilung VIII im Bezirk Leipzig zählte 168 Mitarbeiter (Stand: 1989).


Glossar
Literatur