Die Linie VII
(Abwehrarbeit Ministerium des Innern / Deutsche Volkspolizei)

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Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war nach dem sog. Linienprinzip organisiert: Die meisten Hauptabteilungen (HA) im Ministerium setzten sich als Abteilungen in den einzelnen Bezirksverwaltungen (BVfS) fort. Gemeinsam bildeten sie eine „Linie“.

Im – als „geheime Verschlusssache“ klassifizierten – „Wörterbuch der Staatssicherheit“, das die Juristische Hochschule des MfS zum 20. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erarbeitet hatte, wird die politisch-operative Abwehrarbeit definiert als „Gesamtheit der vorbeugenden, schadensverhütenden, offensiven, schwerpunktbezogenen, komplexen und koordinierten offiziellen und inoffiziellen politisch-operativen Tätigkeiten der operativen Linien und Diensteinheiten des MfS zum Schutze des Friedens, der Sicherung und Stärkung der DDR und ihrer Bürger vor allen Angriffen des Feindes innerhalb und außerhalb der DDR sowie zur Gewährleistung des sozialistischen Aufbaus, insbesondere der Hauptaufgabe in ihrer Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, der Festigung der sozialistischen Staatengemeinschaft unter Führung der UdSSR auf der Grundlage und in Durchsetzung der Beschlüsse der Partei- und Staatsführung, der Weisungen und Befehle des Ministers, in engem Zusammenwirken mit den anderen Schutz- und Sicherheitsorganen, Staatsorganen, Organisationen und Einrichtungen der DDR, sozialistischer und anderer Staaten. ...“

In der praktischen Anwendung bedeutete es konkret die abwehrmäßige Sicherung des Ministeriums des Innern (MdI), der nachgeordneten Organe und Dienstzweige bzw. deren operativ bedeutsamen Objekten – insbesondere der Deutschen Volkspolizei (DVP), der Volkspolizeibereitschaften, der Stäbe der Zivilverteidigung und der Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Hinzu kamen noch die „zivilen“ Einrichtungen wie die Hochschule / Schulen der Hauptverwaltung des Innern / Abteilungen Inneres bei den örtlichen Räten, der Verwaltung Strafvollzug und von den Strafvollzugseinrichtungen, der Staatlichen Archivverwaltung / Staatsarchive sowie das Kombinat Geodäsie und Kartographie, die vor feindlicher Spionagetätigkeit abgeschirmt werden sollten. Außerdem gab es eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei und eine Sicherung der Organe der Verwaltung Strafvollzug des MdI. Im Sektor Strafvollzug integrierte sich im Besonderen die „operative Arbeit“ (Anwerbung) unter Strafgefangenen und Haftentlassenen. Darüber hinaus wurde im zentralen Aufnahmeheim (ZAH) Röntgental, das Rückkehrer und zuziehende Ausländer beherbergte, aus strategischen Gründen die entsprechende Abwehrarbeit geleistet.

In Kooperation mit den Schutz- und Sicherheitsorganen konnte des Weiteren die operative Fahndung des MfS nach Personen und Sachen koordiniert werden. In diesem Sinne war es, im Zusammenwirken mit der DVP und der Zollverwaltung der DDR, möglich, bedeutsame Handlungen im Schmuggelbereich zu bekämpfen.

Ein letztes Arbeitsgebiet der Linie VII betraf die Durchführung von Sicherheitsüberprüfungen (SÜ) zu Geheimnisträgern und Antragsstellern auf sicherheitsrelevante staatliche Erlaubnisse und Genehmigungen. In diesem Kontext hieß das die Kontrolle von Waffenscheinen, Genehmigungen im Umgang mit Giftmitteln, Sprengmitteln oder radioaktiven Stoffen.

Die Hauptabteilung VII in Berlin hatte 357 Mitarbeiter, die Abteilung VII im Bezirk Leipzig zählte 24 Mitarbeiter (Stand: 1989).


Glossar
Literatur