Die Zollverwaltung der DDR

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Mit der „Verordnung über die Errichtung eines Amtes für Zoll und Kontrolle des Warenverkehrs“ (AZKW) wurden der Zoll und das seit 1950 bestehende „Amt für Kontrolle des Warenverkehrs“ (AKW) 1952 zu einer zentral geleiteten Verwaltung zusammengefasst und dem Minister für Außenhandel und innerdeutschen Handel unterstellt. Damit war der gesamte Bereich des grenzüberschreitenden Warenverkehrs in ein zentrales und von SED-Kadern geführten Organ integriert. Dies führte auch zu einer drastischen Reduzierung des Zollapparates, da Zölle durch das staatliche Außenhandelsmonopol in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) praktisch keine Rolle mehr spielten. Der Schwerpunkt des AZKW lag auf der Überwachung des Außenhandelsmonopols und der Kontrolle des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, hier insbesondere auf der Bekämpfung „feindlicher Handlungen“ – eine Aufgabe, die in der Folgezeit die eigentlichen zolldienstlichen Aufgaben immer weiter zurückdrängen sollte und zu einer zunehmenden Anbindung an das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) führte. In Folge des Volksaufsandes vom 17. Juni 1953 erfolgte mit der Uniformierung und Bewaffnung der im operativen Dienst tätigen Mitarbeiter der Übergang von einer zivilen Verwaltung zu einer nach militärischen Prinzipien geführten Einrichtung. Ab 1957 wurde das AZKW zeitweilig auch mit grenzpolizeilichen Aufgaben wie Passkontrolle, Fahndungstätigkeit und der bewaffneten Sicherung der Kontrollobjekte betraut, wofür dem AZKW 1.100 neue Stellen bewilligt wurden. Mit Schaffung der dem MfS unterstellten Passkontrolleinheiten (PKE) wurde das AZKW 1961 wieder von dieser Aufgabe entbunden, die PKE übernahmen aber zahlreiche Mitarbeiter.

Mit dem Erlass eines neuen Zollgesetzes, das am 30. April 1962 in Kraft trat, wurde aus dem AZKW die „Zollverwaltung der DDR“. Dieses zentral geleitet Organ gliederte sich in die Hauptverwaltung in Berlin sowie Bezirksverwaltungen, Zollämter und Zollstellen auf. Das Führungspersonal wurde an einer eigenen Ausbildungsstätte, dem Institut der Zollverwaltung „Heinrich Rau“ in Plessow, geschult. Der Schwerpunkt der Arbeit lag beim grenzüberschreitenden Reise- und Postverkehr und hier vor allem beim Verkehr mit der Bundesrepublik. Von den 1962 eingerichteten 48 Grenzzollämtern befanden sich lediglich 13 an den östlichen Grenzen.

Aus der Kontrolltätigkeit ergab sich eine enge Zusammenarbeit zwischen der Zollverwaltung und dem MfS. Zuständig für die Zollverwaltung war vor allem die Hauptabteilung VI des MfS, hier insbesondere das Referat 3 „Zollabwehr“. In operativen Fragen wurde die Zollverwaltung dem MfS unterstellt; alle wichtige Bereiche waren mit Offizieren im besonderen Einsatz (OibE) des MfS besetzt. Während der Binnenzoll kaum mit der Stasi zu tun hatte, war die Zusammenarbeit zwischen der Zollverwaltung und dem MfS vor allem in den Bereichen Postverkehr und Zollfahndung sehr eng. Mit der Postzollfahndung bestand beim MfS eine Diensteinheit, die in Zolluniformen alle Postsendungen noch vor dem Zoll fahndungsmäßig überprüfte; oft gaben sich auch MfS-Mitarbeiter bei gedeckten Ermittlungen gegen DDR-Bürger als Zollbeamte aus. Umgekehrt verstärkten Observationskräfte des Zoll bei MfS-Aktionen die Reihen der Stasi-Mitarbeiter. Auch auf den Transitstrecken patrouillierten neben der Stasi und der Polizei Mitarbeiter der Zollverwaltung. Sie sollten im operativen Zusammenwirken mit den anderen Sicherheitsorganen „feindlich-negative“ Handlungen im Transit- und Reiseverkehr aufdecken, verhindern und ahnden.

Zudem war die Zollverwaltung grundsätzlich in der Lage, als militärischer Verband zu handeln; unabhängig von ihrer konkret ausgeübten Tätigkeit waren alle Zollmitarbeiter entsprechend ausgerüstet und mussten regelmäßig militärische Übungen absolvieren.
Hinsichtlich ihrer Struktur unterlag die Zollverwaltung nach 1962 keinen wesentlichen Änderungen mehr, allerdings stieg die Mitarbeiterzahl mit dem zunehmenden Ost-Westreiseverkehr und dem Ausbau des Sicherheitsapparates kontinuierlich an (1960: 5.642 Mitarbeiter; 1989: 8.237 Mitarbeiter). Nach der Wiedervereinigung wurde ein nicht unbedeutender Teil der Mitarbeiter der Zollverwaltung der DDR in den Bundesdienst übernommen.


Glossar
Literatur