Die Grenzpolizei der SBZ/DDR

[schließen]

Der Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes am 8. Mai 1945 markierte nicht nur das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa, sondern auch die endgültige Besetzung des deutschen Territoriums durch die vier Siegermächte. Gemäß des Londoner Protokolls über die Besatzungszonen in Deutschland und die Verwaltung von Groß-Berlin vom 12. September 1944 wurde der Verlauf der Grenze der einzelnen Zonen darin bestimmt.

Zu diesem Zeitpunkt herrschte eine große Fluktuationsbewegung seitens der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Seit 1945 waren bereits 1,6 Millionen Ostdeutsche in die britische Besatzungszone abgewandert. Da die Landesgrenze der SBZ mit 2.236 Kilometern viele Möglichkeiten zur Flucht bot, wurde am 18. November 1946 per Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) der Aufbau einer Grenzpolizei in der SBZ angeordnet, welche am 1. Dezember 1946 offiziell gebildet wurde. Die Grenzpolizei (GP) stand dabei zunächst unter der Leitung der Deutschen Verwaltung des Inneren (DVdI) und war ein Teil der Deutschen Volkspolizei (DVP) mit einer anfänglichen Personalstärke von etwa 2.500 Mann, die bis in das Jahr 1949 rapide auf 18.000 anstieg.

Zu Beginn leistete die neu gegründete Grenzpolizei, neben den für den Grenzschutz eingesetzten Einheiten der Roten Armee, nur „Grenzhilfsdienste“. Mit zunehmender Aufstockung der Personalstärke jedoch entstand die Notwendigkeit, eine eigene Abteilung zu bilden. Infolgedessen, als die Grenzpolizei im April 1948 rund 10.000 Mitarbeiter zählte, wurde die Hauptabteilung Grenzpolizei und Bereitschaften (HA GP/B) gegründet, der neben der GP auch die kasernierten Polizeibereitschaften unterstanden. Im Sommer 1949 richtete man schließlich eine gesonderte Hauptabteilung Grenzpolizei (HA GP) ein, die aber kurze Zeit später in der Abteilung Hauptverwaltung Ausbildung des neu eingerichteten Ministerium des Inneren (MdI) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) eingegliedert wurde. Bereits drei Jahre später, am 16. Mai 1952 wurde die Grenzpolizei wieder aus dem MdI ausgegliedert und mit der offiziellen Bezeichnung Deutsche Grenzpolizei (DGP) dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) unterstellt.

Die DGP wurde nunmehr im zunehmenden Maße militärisch und staatssichernd ausgerichtet. Im Zuge der Verschärfung der Situation zwischen den Großmächten und der andauernden Abwanderung der Bevölkerung in westliche Besatzungszonen, reagierte man darauf mit der Abriegelung einer großen Zahl der Grenzübergänge. Nachdem ferner am 29. September 1955 in Moskau der Vertrag über die Beziehungen zwischen der DDR und der UdSSR unterzeichnet worden war und die nun souveräne DDR auch „die volle Verantwortung für ihren militärischen Schutz“ zu tragen hatte, übernahm im folgenden Dezember die DGP die alleinige Überwachung der Staatsgrenzen, mit Ausnahme der Kontrolle des Verkehrs der alliierten Truppen von und nach Westberlin. Am 18. Januar 1956 verabschiedete die Volkskammer der DDR alsdann ein Gesetz zur Schaffung einer Nationalen Volksarmee (NVA) und des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV). Somit war der Grundstein für eine militärisch organisierte Grenztruppe gelegt. Im folgenden Jahr, am 1. März 1957, wurde die DGP aus dem MfS ausgegliedert. Das so genannte „Kommando Deutsche Grenzpolizei“ mit Sitz in Pätz bei Königs-Wusterhausen wurde gebildet und wiederum dem MdI unterstellt.

Die Deutsche Grenzpolizei verfügte Ende 1960 bereits über eine Mitarbeiterzahl von ca. 38.000 Mann. Zudem wurden an der Westgrenze die Einheiten mit neuester Waffentechnik ausgerüstet. Sie sollten dabei, auf der einen Seite, in der Lage sein, Grenzverletzungen zu vereiteln und auf der anderen Seite bei einem Eindringen des Gegners die einzelnen Abschnitte halten können. Außerdem sollte gewährleistet werden, dass sich die NVA und die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) voll entfalten können. Damit sollte, in enger Zusammenarbeit mit allen Kräften, eine sichere und schlagkräftige Abwehr garantiert werden. Während die Grenzsicherung im Osten im Wesentlichen nur aus einer einfachen Überwachung und Kontrolle bestand, waren an der Westgrenze allein 30.000 Grenzpolizisten eingesetzt. Die dortige verstärkte militärische Präsenz stellte hierbei eine vorbereitende Maßnahme dar, um sich gegenüber der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und Berlin-West vollends abzuschotten.

Im Zuge der sich zuspitzenden Ereignisse erteilte das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) am 8. und 11. August 1961 alle erforderlichen Anweisungen zur Grenzabriegelung[x> nach Berlin-West. Bereits zu diesem Zeitpunkt bildete sich im Polizeipräsidium in Ostberlin ein Haupteinsatzstab unter Leitung von Erich Honecker, in dem der Einsatz der Kampfgruppen und aller Einheiten der Grenzpolizei vorbereitet wurden. Schließlich erfolgte am 13. August 1961 dann die Abriegelung der Sektorengrenze, in dessen Folge mit dem Bau des so genannten „antifaschistischen Schutzwalls“ begonnen wurde, der die endgültige Trennung beider deutscher Staaten nicht nur faktisch, sondern von nun an auch deutlich nach außen sichtbar, besiegelte. Nur wenige Wochen später, am 15. September 1961 wurde die DGP dann dem Kommando Grenze im MfNV als Grenztruppe unterstellt.

Ende 1961 waren von den 38.318 Grenzsoldaten allein 68 Prozent an der Grenze zur BRD eingesetzt, 6 Prozent an der Küste der DDR, 6 Prozent an den Grenzen zu Polen und zur Tschechoslowakei und die restlichen 20 Prozent arbeiteten in den weiteren Einrichtungen und in den Schulungsorten der DGP. Die Abteilung Aufklärung beim Kommando der DGP arbeitete bis zum 31. Dezember 1961 eigenständig mit inoffiziellen Kräften (vgl. dazu auch die IM des MfS). Am 1. Januar 1962 erfolgte dann die Übernahme dieser Abteilung durch das MfS und die Eingliederung in den Verantwortungsbereich der Hauptabteilung I (HA I), zuständig für die Abwehrarbeit in der NVA und den Grenztruppen.


Glossar
Literatur