Erich Honecker (1912-1994)
Staats- und Parteichef der DDR 1971/76 bis 1989

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Erich Honecker war seit 1971 der bestimmende Mann in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Seit diesem Jahr war er erster Sekretär des Zentralkomitees (ZK) der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), ab 1976 dann auch Staatsratsvorsitzender. Beide Ämter bekleidete er bis Ende des Jahres 1989.

Am 25. August 1912 im Saarland geboren und als Dachdecker ausgebildet, verbrachte Honecker als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) fast die gesamte Zeit des Nationalsozialismus in Haft. Nach dem Krieg beteiligte er sich von Beginn an am Aufbau der DDR und war von 1946 bis 1955 Leiter des Organisationskomitees und 1. Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend (FDJ), ehe er nach einer Schulung in der Sowjetunion 1958 ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen wurde. Bereits 1953 hatte er Margot Feist, die spätere Volksbildungsministerin (1963 bis 1989) geheiratet. Seit dem Beginn seiner Amtszeit als erster Sekretär des ZK bemühte er sich um eine stärkere Einbindung der DDR in den Ostblock und die internationale völkerrechtliche Anerkennung der DDR. Seine groß angelegten sozialpolitischen Maßnahmen standen jedoch einer immer bedrohlicheren wirtschaftlichen Krise gegenüber, was den Dialog mit der Bundesregierung als Kreditgeber unvermeidlich machte - dieses wiederum stand im krassen Gegensatz zu seiner sonstigen Politik der Abgrenzung gegenüber Westdeutschland. So blähte sich der Überwachungsapparat des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), der die partiellen Öffnungen aufzufangen hatte, unter seiner Ägide ins Groteske auf. Erich Mielke, mit dem er wöchentliche Vier-Augen-Gespräche führte, gehörte zu seinem engsten Führungszirkel. Für die Reformpolitik Gorbatschows hatte Honecker keinerlei Verständnis. So wurde er von den Ereignissen 1989 förmlich überrollt, im Oktober zwang ihn das ZK der SED schließlich zum Rücktritt.

Nach dem Ende der DDR versuchte er, einem Prozess wegen Amtsmissbrauchs und Korruption durch Flucht nach Moskau zu entgehen. Er kehrte jedoch nach Deutschland zurück und wurde wegen der Schüsse an der Mauer unter Mordanklage gestellt. Nach einem halben Jahr wurde er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes aus der Haft entlassen. Er starb am 29. Mai 1994 im chilenischen Exil.


Glossar
Literatur