Wilhelm Pieck (1876-1960)
Staatspräsident der DDR

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Wilhelm Pieck wurde am 3. Januar 1876 in Guben (Niederlausitz) als Sohn eines Kutschers und einer Wäscherin geboren. In den Jahren 1890 bis 1896 machte er eine Tischlerlehre und begab sich anschließend auf Wanderschaft. Während seiner Lehrjahre kam er erstmals in Kontakt mit der Arbeiterbewegung und trat 1894 in den Deutschen Holzarbeiterverband ein. Bereits ein Jahr später wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Seit 1896 arbeitete er als Tischler in Bremen. Dort wurde er in die Bremische Bürgerschaft gewählt, der er bis 1910 angehörte. In dieser Zeit entwickelten sich durch Kontakte zu linken SPD-Mitgliedern seine marxistische Einstellung und seine linke Parteiposition, 1907/08 besuchte er die Parteischule der SPD in Berlin. Zu seinen Lehrern zählte u.a. auch Rosa Luxemburg.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges nahm Pieck an Konferenzen linker Sozialdemokraten teil, druckte und verbreitete die Zeitschrift „Die Internationale“ und sprach sich offen gegen den Krieg und die Politik des Burgfriedens aus. Ab 1915 schloss er sich dem „Spartakusbund“ an. Als Soldat desertierte er 1918 nach Holland. Nachdem er noch im selben Jahr wieder nach Berlin zurückkehrte, nahm er am Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) teil und wurde in deren Zentrale Leitung gewählt. Weil er sich 1919 aktiv am Januaraufstand beteiligte, wurde er ebenso wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verhaftet, kam aber wieder frei. In den folgenden Jahren hatte Wilhelm Pieck mehrere Ämter und Funktionen in der KPD inne. 1928 bis 1933 war er Abgeordneter im deutschen Reichstag und gleichzeitig auch Angehöriger des Zentralkomitees (ZK) der KPD. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde er zum Vorsitzenden seiner Partei ernannt, weil er die Vertretung von Ernst Thälmann übernehmen sollte, der von den Nationalsozialisten verhaftet worden war. Im Mai 1933 ging Pieck zunächst ins Exil nach Paris und ab 1934 nach Moskau, von wo aus er die illegale kommunistische Tätigkeit in Deutschland organisierte. 1943 gehörte er zu den Initiatoren und Mitbegründern des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ (NKFD).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte er nach Berlin zurück. Als Vorsitzender der KPD war er maßgeblich an der Zwangsvereinigung mit der SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) beteiligt. Zusammen mit dem SPD-Politiker Otto Grotewohl arbeitete er die „Grundsätze und Ziele der SED“ und das Parteistatut aus. Ab 1946 war er gemeinsam mit Otto Grotewohl Vorsitzender der SED in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Am 11. Oktober 1949 wählten ihn die provisorische Volkskammer und die provisorische Länderkammer zum ersten und einzigen Staatspräsidenten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Vier Jahre später wurde er schließlich in seinem Amt bestätigt, das er bis zu seinem Tod am 7. September 1960 ausübte. Obwohl er das Staatsoberhaupt der DDR repräsentierte, war sein politischer Einfluss gegenüber Walter Ulbricht nur gering.


Glossar
Literatur