Joachim Gauck (geb. 1940)
Pastor, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (1990-2000) und Bundespräsident (ab 2012)

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Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock geboren. Bereits als elfjähriger hatte er ein traumatisches Erlebnis, das seine Einstellung zum Sowjetregime prägen sollte: Er musste die Deportation seines Vaters durch die sowjetische Geheimpolizei nach Sibirien miterleben. So war Gauck weder bei den Jungpionieren noch bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Nachdem er keine Zulassung für das Germanistikstudium bekommen hatte, zog es ihn 1958 zur Theologie. Er blieb in Rostock und war als Pastor und Stadtjugendpfarrer tätig.

In den Jahren 1989/90 war Gauck Mitinitiator der kirchlichen und politischen Protestbewegungen in Mecklenburg. Als Mitglied des Neuen Forums in Rostock erhielt er bei den ersten freien Wahlen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im März 1990 ein Mandat für Bündnis 90. In der Volkskammer der DDR war er Vorsitzender des Ausschusses, der sich unter anderem für die Öffnung der Stasi-Akten einsetzte. Wichtige Impulse für ein entsprechendes Gesetz gingen dabei auch von Leipzig aus. Im Oktober 1990 wurde Gauck zum Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR berufen. Bis 2000 leitete er die fest mit seinem Namen verbundene „Gauck-Behörde“.

Seit 2003 ist er Vorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Zahlreiche Ehrenauszeichnungen würdigen Gauck für sein außergewöhnliches Engagement für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Am 18. März 2012 wurde Joachim Gauck von der 15. Bundesversammlung zum 11. Bundespräsidenten Deutschlands gewählt.


Glossar
Literatur