Jahrestag der Befreiung 2026

Erinnerung an den 81. Jahrestag der Befreiung Leipzigs durch die US-Armee an der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“

Anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung Leipzigs von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft durch amerikanische Truppen lädt die Stadt Leipzig gemeinsam mit dem Bürgerkomitee Leipzig e.V. am Samstag, dem 18. April 2026, um 14.00 Uhr vor der Gedenktafel an der „Runden Ecke“ zu einer Gedenkfeier ein.

Die Gedenkfeier ist Teil der dreiteiligen Gedenkveranstaltung, die 13.00 Uhr in Abtnaundorf beginnt und 15.00 Uhr am Capa-Haus in Leipzig-Lindenau endet.

Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ zeigt die Ausstellung „Zwei Mal befreit? Leipzig unter amerikanischer und sowjetischer Besatzung 1945“ die während der regulären Öffnungszeiten täglich zwischen 10.00 und 18.00 Uhr besucht werden kann.

Befreiung Leipzigs von der NS-Diktatur am 18. April 1945

Am Abend des 18. April 1945 erreichten amerikanische Truppen Leipzig und befreiten die Stadt kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Die Amerikaner bezogen in der „Runden Ecke“ am Innenstadtring Quartier und richteten hier ihr Hauptquartier sowie kurzzeitig die Alliierte Militärregierung ein. Der demokratische Neuanfang, den die amerikanische Besatzungsmacht ermöglichte, fand jedoch nach wenigen Wochen mit der Übergabe Leipzigs an die Rote Armee am 2. Juli 1945 ein jähes Ende. Nun begann der gezielte Aufbau einer kommunistischen Diktatur und das Gebäude am Dittrichring wurde durch die sowjetische Militäradministration genutzt. 1950 wurde es Sitz der Leipziger Stasi-Zentrale. Erst 1989 mit der Friedlichen Revolution öffnete sich das Tor zu Freiheit und Demokratie wieder.

Gedenkfeier vor der Gedenktafel an der „Runden Ecke“ um 14.00 Uhr

Vor der Gedenktafel zur Befreiung Leipzigs durch die 2. und 69. Infanteriedivision der US-Armee an der „Runden Ecke“ erinnern nach einem Grußwort von Tobias Hollitzer, Leiter der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Jodi Breisler, Generalkonsulin der USA in Leipzig in ihren Gedenkreden an die Befreiung Leipzigs durch die amerikanischen Truppen am 18. April 1945 sowie die nachfolgende Besatzungszeit. Eine Blumenniederlegung mit Schweigeminute würdigt die Opfer. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Duo Bodensiek und Hohlfeld.

Erinnerung an die Opfer des „Massakers von Abtnaundorf“ am 18. April 2026 um 13.00 Uhr

VAm 18. April 2025 jährt sich auch das „Massaker von Abtnaundorf“ zum 81. Mal. Das KZ-Außenlager Leipzig-Thekla war im März 1943 errichtet worden. Die Häftlinge, mehrere Tausend Männer aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich und anderen Ländern, mussten Zwangsarbeit für die Erla-Maschinenwerke GmbH leisten. Im April 1945 wurde das Lager aufgelöst, etwa 300 kranke Häftlinge aber zurückgelassen. Die SS sperrte sie in eine Baracke ein und schoss diese in Brand. Mehr als 80 Männer verloren bei diesem Massaker ihr Leben.

Wenige Stunden später betraten US-amerikanische Soldaten das Lager und dokumentierten das Verbrechen. Diese Dokumente dienten auch als Beweismittel im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher und erlangten damit internationale Bekanntheit. In Leipzig organisierte die US-Armee bereits am 25. April 1945 eine offizielle und würdige Beisetzung der Opfer in Einzelgräbern auf dem Leipziger Südfriedhof. Diese Grabstätte der KZ-Häftlinge und NS-Opfer wurde später von der SED zu einem „Sozialistischen Ehrenhain“ überformt und mit den Urnen-Gräbern verdienter SED-Genossen neu belegt. Heute erinnert nur eine kleine Informationstafel an die ursprünglichen Gräber.

Zur Erinnerung an dieses letzte Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Leipzig, das unmittelbar mit der Befreiung der Stadt im Zusammenhang steht und zur Würdigung der Opfer der NS-Zwangsarbeit, lädt die Gedenkstätte für Zwangsarbeit am Samstag, 18. April 2026 schon um 13.00 Uhr zu einer Gedenkfeier an das Mahnmal Abtnaundorf (Theklaer Straße / Heiterblickstraße) ein.

Ausklang der Gedenkveranstaltung am Capa-Haus am 18. April 2026 um 15.00 Uhr

Im Anschluss an die Gedenkfeier an der „Runden Ecke“ wird um 15.00 Uhr am „Capa-Haus“ (Jahnallee 61) ausgehend vom tragischen Tod des US-Soldaten Raymond J. Bowman, der von Robert Copa in seinen weltberühmten Fotos festgehalten wurde, an die Einnahme Leipzigs durch die US-Armee erinnert.

Ausstellung „Zwei Mal befreit? Leipzig unter amerikanischer und sowjetischer Besatzung 1945“ in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“

Trotz widrigster Umstände begann die US-Militärregierung 1945 sofort mit dem Aufbau demokratischer Strukturen. Am 23. April 1945 setzten sie den Leipziger Rechtsanwalt Wilhelm Johannes Vierling als neuen Oberbürgermeister sowie den bis 1933 amtierenden Polizeipräsidenten Heinrich Fleißner wieder in sein Amt ein. Der US-amerikanische Stadtkommandant Major Richard J. Eaton ernannte auch einen entsprechend der Wahlergebnisse von 1932 zusammengesetzten Gemeinderat.

Der neue Bürgermeister, sein Beirat und die Dezernenten der Stadtverwaltung leiteten sofort nach Ende der Kampfhandlungen vielfältige Schritte zur Normalisierung des öffentlichen Lebens in die Wege. Ein großes Problem war die desolate Ernährungslage. Die amerikanische „Military Police“ bemühte sich gemeinsam mit der Leipziger Polizei um die Sicherheit der Bevölkerung und versuchte Plünderungen zu verhindern. Die Amerikaner begannen gemeinsam mit einem von ihnen eingerichteten „Kommissariat für Sonderaufgaben“ (K.f.S.) bei der Leipziger Kriminalpolizei mit der Verfolgung von NS-Tätern.

Mit dem 1. Juli 1945 endete die amerikanische Besatzungszeit. Sowjetische Truppen zogen gemäß den Vereinbarungen von Jalta in die mitteldeutschen Gebiete ein. Damit begann für die Stadt Leipzig der Weg in eine neue Diktatur. Die Befreiung Leipzigs durch die US-Armee und die amerikanische Besatzungszeit wurden in den folgenden fast 40 Jahren systematisch diskreditiert.

Den Besatzungswechsel diffamierte die Leipziger SED-Presse wenige Jahre später mit Artikel unter der Überschrift „Räuber gingen – Freunde kamen“ Im Schulunterricht waren die Lehrer angehalten ausdrücklich zu vermitteln: „Die tatsächliche Befreiung fand erst durch den Einzug der Sowjetarmee statt.“

Erst seit der Friedlichen Revolution werden auch diese 10 Wochen amerikanischer Besatzungszeit und der beginnende demokratische Neuaufbau wieder vermittelt. Bürgerinitiativen wie die um das „Capa-Haus“ haben maßgeblich zur Neuaneignung der Geschichte durch die Zivilgesellschaft beigetragen. Doch die über 40jährige Geschichtsfälschung hat bis heute Auswirkungen. Noch immer gibt es in Leipzig – anders als für die sowjetische Besatzungszeit – keine Straße, die nach dem Leipziger Stadtkommandanten der US-Armee Major Richard J. Eaton benannt ist, dessen Enkel im Vorjahr durch seinen Besuch die Gedenkveranstaltung zu einer besonders bewegenden gemacht hatte. Aber auch der erste Leipziger Nachkriegsbürgermeister Dr. Johannes Vierling wird in Leipzig bisher nicht gewürdigt. In der „Ehrengalerie“ der Leipziger Oberbürgermeister fehlt das entsprechende Bild, obwohl er die ersten Wochen des demokratischen Neuanfangs der Stadt Leipzig nach der NS-Terrorherrschaft gestaltet hat.

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