Martin Jehnichen (geb. 1962)
Fotograf

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1962 wurde Martin Jehnichen in Karlsruhe geboren und wuchs in Tübingen auf. Da seine Eltern jedoch aus Sachsen stammten, verbrachte er die Sommerferien oft bei seinen Großeltern, die in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) lebten. Schon als Jugendlicher begeisterte sich Jehnichen für die Fotografie und studierte Mitte der 1980er Jahre Fotodesign und Visuelle Kommunikation in Bielefeld. 1988 entschied er sich ein halbes Jahr als DAAD-Auslandsstudent an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zu verbringen. Die Stasi nahm ihn schon damals ins Visier und ließ ihn durch seinen Vermieter bespitzeln.

Im Herbst 1989 gehörte Jehnichen zu den wenigen Westdeutschen, die von Anfang an die Leipziger Demonstrationen begleiteten. So wurde er am 7. Oktober 1989 verhaftet, als er die Gegendemonstration zum 40. Jahrestag der DDR in Leipzig fotografierte, und nur aufgrund seiner westdeutschen Staatsbürgerschaft wieder freigelassen. Mit den Bildern, die er im Herbst 89 machte, bereichert Jehnichen die Friedliche Revolution und die ersten Jahre danach in Ostdeutschland um eine westdeutsche Perspektive. Silvester 1989 gründete er mit drei Mitstreitern die Fotoagentur „transit“. In dieser Zeit schloss er sich auch den Hausbesetzern im Leipziger Stadtteil Connewitz an.

Heute zählt Jehnichen zu den wenigen Westdeutschen, für die Leipzig noch während der Friedlichen Revolution zur Wahlheimat wurde. Seine Fotografien von damals sind einzigartige Zeitzeugnisse des Umbruchs.


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Literatur