Objekt- und Fotodatenbank Online im Museum in der Runden Ecke



Inventar-Nr: 00060/096
Objekt: Stempel


Poststempel von Neupetershain (NEUPETERSHAIN / 753 / a)

Bei diesem Neupetershainer Poststempel handelt es sich um eine Fälschung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Zusammen mit weiteren Poststempeln aus der DDR, aus der Bundesrepublik Deutschland, Westberlin und dem sozialistischen sowie nichtsozialistischen Ausland wird er in einem Münzalbum aufbewahrt. Sichergestellt wurde diese "Poststempelmappe" im Zuge der Auflösung des MfS 1989/90 in der Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit (BVfS). Der Kreisstegstempel "NEUPETERSHAIN / 753 / a" (Ortsangabe / Postleitzahl / Unterscheidungsbuchstabe) steckt gemeinsam mit anderen Poststempeln von Orten der Bezirke Suhl, Cottbus, Dresden und Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) in einer Klarsichttasche (Einsteckhülle). Zum Zwecke der Zuordnung existiert auch noch ein Abschlag (Stempelbild), der auf einer Karteikarte erfasst ist. Wie lange dieser Stempel von der Stasi eingesetzt wurde konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden, einige der Stempel aus der Mappe waren aber zum Zeitpunkt ihrer Sicherstellung schon länger nicht mehr gültig (vgl. auch einen Fauststempel aus der Leipziger BVfS).

Das MfS verfügte für seine konspirative Arbeit über eine große Anzahl von verschiedenen, überwiegend gefälschten Stempeln, so auch über diese im Auftrag der Abteilung M (Postkontrolle) im Ätzungsverfahren hergestellten Stempelklischees verschiedener Poststempel. Diese Klischees konnten unter einem speziellen Fauststempel befestigt und so benutzt werden. Als Vorlage für die Herstellung dienten vermutlich Poststempel auf Originalbriefen. Mit diesen Stempeln entwertete die Stasi nicht nur Briefmarken auf neu angefertigten Umschlägen - dies war notwendig wenn die Originalumschläge beim Öffnen der Briefe beschädigt worden waren - sie stempelte damit auch von ihr fingierte Briefe ab. Mit solchen erfundenen Briefen versuchte die Stasi Personen zu denunzieren und Misstrauen zu verbreiten. Andererseits überprüfte sie damit auch Inoffizielle Mitarbeiter (IM) auf deren "Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit". Für die Herstellung bzw. Bereitstellung von Stempelfälschungen aber auch Ausweisen war im MfS der Operativ-technische Sektor (OTS) zuständig.

In Leipzig arbeitete die Abteilung M u.a. in der dritten Etage im Bahnpostamt (BPA) der Deutschen Post (unter dem Tarnnamen "Stelle 12") sowie im Hauptpostamt 18 in der Rohrteichstraße (als "Postzollfahndung"). Legendiert durch Uniformen und Dienstausweise der Deutschen Post sollten die Angehörigen der Abteilung M den echten Postmitarbeitern nicht als Stasi-Mitarbeiter auffallen. Sie sortierten alle Sendungen aus, deren Adressen sich in der "Anschriftenfahndung" befanden oder anderweitig verdächtig erschienen. In großen Kuriertaschen wurden die Briefe in die Bezirksverwaltung transportiert und mit speziellen Geräten "aufgedampft", häufig kopiert und dann wieder verschlossen. Für intensivere Untersuchungen, z.B. für die Suche nach Geheimbotschaften, betrieb die Abteilung M der BVfS Leipzig seit 1986 auch einen eigenen Labor- und Untersuchungskomplex in der "Runden Ecke". Nicht wenige Briefe wurden daraufhin gleich einbehalten. Pakete wurden z.T. mit Sonden untersucht, um ihren Inhalt identifizieren zu können. Auch sämtliche Telegramme wurden durch die Abt. M kontrolliert. Die Dienste der Abteilung M nahmen alle Diensteinheiten in Anspruch. Bei Beobachtungen konnte die Linie VIII auch "Sonderbriefkastenleerungen" beantragen.


Sammlung: Postkontrolle
Datierung: 1970er-1980er Jahre
Hersteller: unbekannt
Maße: Stempel: Durchmesser: 32,5 mm;
Abdruck: Durchmesser: 29 mm
Material: Zink
Farbe: silber, blau
Verwendung: Fälschen von Stempelabschlägen, Fälschen von Briefen





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ausgedruckt am 18.12.2017